Johanniskraut-Forschung zu Inhaltsstoffen & Wirkungsweise:
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Meldung vom 20. 10. 2009 auf www.journalmed.de:

Hyperforin & Hyperosid: Rezeptor-Downregulation direkt an der Postsynapse

Die Fluoreszenz-Korrelations-Spektroskopie (FCS) ist eine Methode, mit der molekulare Interaktionen an der lebenden Zelle quantifiziert werden können.
Nach Prof. Dr. Hanns Häberlein vom Institut für Biochemie und Molekularbiologie in Bonn konnte an C6-Glioblastomzellen gezeigt werden, warum Johanniskraut gegen Depressionen wirksam ist.

Die Johanniskrautwirkstoffe Hyperforin und Hyperosid wirken direkt auf die Postsynapse und führen dort zu einer effektiven Downregulation des humanen β1-adrenergen Rezeptors. Und dies ohne dass es einer präsynaptischen Reizung bedarf.

Bemerkenswert daran ist, dass die Rezeptor-Downregulation unabhängig von einer Steigerung der Konzentration von Signalmolekülen eintrat. „Für uns war das schon eine kleine Sensation, dass Johanniskraut im Gegensatz zu den modernen synthetischen Antidepressiva ohne diesen Stimulus auskommt“, hält Prof. Häberlein fest.

Im rein postsynaptischen Geschehen werden die Rezeptoren von der Biomembran der Zelle entfernt und internalisiert, so dass es zu einer wirksamen Verminderung der bei depressiven Patienten zum Teil stark erhöhten Rezeptorendichte auf Normalniveau kommt. Dieser Vorgang – Downregulation ohne zwingende Beteiligung der Präsynapse – war bislang für die Johanniskraut-Inhaltsstoffe Hyperforin und Hyperosid unbekannt. Es handelt sich also um eine hochspezifische Wirkqualität, die als sehr exakt definierte Komponente den bisher für Johanniskraut bekannten Wirkmechanismus in einem bedeutenden Punkt ergänzt.

Bis die Downregulation der β1-adrenergen Rezeptoren beendet ist und damit eine Besserung der depressiven Symptomatik erreicht wird, kann es durchaus zwei bis drei Wochen dauern, erklärt Häberlein. Dies gilt genauso für synthetische Antidepressiva, die ebenfalls eine Anflutung benötigen. „Wichtig ist also, dem Patienten eine anderslautende Erwartungshaltung zu nehmen, indem man ihm erklärt, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis die Wirkung spürbar wird.“

Zusammengefasst von:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
www.phytotherapie-seminare.ch
P.S. Dieser Text auf www.journalmed.de setzt zu seinem Verständnis ziemlich viel medizinisches Wissen voraus. Er zeigt aber, dass Johanniskraut offenbar ähnlich wie die synthetischen Antidepressiva vom Typ der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) an der Synapse wirkt, aber auf eine andere Art und Weise. Dieser Unterschied dürfte für die bedeutend geringeren unerwünschten Nebenwirkungen der Johanniskraut-Präparate entscheidend sein.
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Zuletzt geändert: Montag, 28. Juli 2014, 11:01